Instagram-Chef Adam Mosseri hat gerade ein Update angekündigt, das es in sich hat. Und es wird große Auswirkungen auf alles haben, was ihr bisher über Reels wisst. Im Gespräch mit den Creatorn Colin Rosenblum und Samir Chaudry fiel der Satz, der alles zusammenfasst:
We are going to support long-form videos and horizontal videos.
Die Nachfrage im Gespräch: Also könnte genau diese Unterhaltung, die über eine Stunde geht, auf Instagram laufen? Mosseris Antwort: „Exactly.“ Lange Videos kommen nach Instagram. Und zwar quer.
Instagram CEO Reveals Biggest Update Yet
Was genau angekündigt wurde
Das neue Format heißt „Features“. Mosseri und Produktchefin Tessa Lyons haben es am 26. Oktober 2026 vorgestellt. Die wichtigsten Punkte:
- Videos bis zu 90 Minuten Länge, im Querformat 16:9.
- Ausgespielt werden sie im Feed und auf der Explore-Seite, also auch an Leute, die euch noch nicht folgen.
- Zu einem langen Video lassen sich bis zu acht Reels veröffentlichen, die direkt darauf verlinken. Das Reel ist der Trailer, das Feature der Film.
- Auch die Instagram-App für den Fernseher soll Features bevorzugt zeigen. Instagram will auf den großen Bildschirm.
- Gestartet wird als Test mit ausgewählten Creatorn in den USA und Brasilien. In Deutschland ist das Format noch nicht verfügbar.
Bemerkenswert ist vor allem, wer das ankündigt. Mosseri hat jahrelang gegen lange Videos auf Instagram argumentiert. In der Ankündigung sagt er selbst: „For a long time, I have been against doing long-form video on Instagram.“ Wenn der größte Skeptiker die Kehrtwende verkündet, ist das mehr als ein Experiment am Rand.
Moment mal, gab es das nicht schon? Ja. Es hieß IGTV.
2018 hat Instagram schon einmal versucht, YouTube Konkurrenz zu machen. IGTV hieß das, mit eigener App und Videos bis zu einer Stunde. Ging nicht gut. 2021 wurde IGTV mit den normalen Feed-Videos zusammengelegt, kurz darauf verschwand auch die eigene App. Reels hatten das Rennen gemacht.
Der Unterschied heute: IGTV war hochkant und lebte in einer Ecke, die kaum jemand besucht hat. Features sind quer, laufen dort, wo ohnehin gescrollt wird, und werden über Reels angeteasert. Instagram baut die langen Videos diesmal nicht neben das Kerngeschäft, sondern hängt sie direkt daran.
Warum macht Instagram das?
Schaut euch an, was auf Instagram gerade passiert: Video-Podcasts, DJ-Sets, Comedy, Interviews. Alles Formate, die auf YouTube in voller Länge laufen. Auf Instagram landen davon nur die Schnipsel, mit dem Hinweis: Ganze Folge auf YouTube. Instagram liefert die Aufmerksamkeit, YouTube bekommt die Watchtime.
Das will Instagram ändern. Die Zuschauer sollen nach dem Clip nicht mehr die App wechseln, sondern bleiben. Mosseri begründet das so: Man wolle die kulturell relevanteste Plattform sein, und dafür müsse man dort stattfinden, wo die Leute sind. Und die sind immer öfter vor dem Fernseher, bei langen Videos.
Der Haken: Wer bezahlt die Creator?
Hier wird es spannend. Auf YouTube werden Creator an den Werbeeinnahmen ihrer langen Videos beteiligt. Das ist der Grund, warum sich eine 60-minütige Podcastfolge dort überhaupt rechnet. Instagram plant so etwas für Features vorerst nicht. Wer Features nutzt, kann bestehende Markenkooperationen mitnehmen – mehr ist zum Start nicht drin. Ein Meta-Sprecher sagt, für ein langfristiges Modell sei es noch zu früh.
Das ist genau die Frage, die in den Kommentaren unter der Ankündigung sofort aufkam: Warum sollte ich ein langes Video auf Instagram hochladen, wenn YouTube mich dafür bezahlt?
Ich bin gespannt, ob sich Long-Form auf Instagram durchsetzt und ob Meta diese Inhalte über den Algorithmus mit Reichweite stärkt. Ob Instagram YouTube am Ende den Rang abläuft, entscheidet aber nicht das Format, sondern die Bezahlung. Denn auf YouTube verdienen Creator ihr meistes Geld mit Querformat-Videos.
Denn Reichweite ist die Währung, mit der Instagram bezahlen kann, ohne Geld auszuzahlen. Wer mit einem Feature plötzlich zehnmal so viele Menschen erreicht wie mit derselben Folge auf YouTube, rechnet neu. Ob das passiert, weiß heute niemand. Mosseri selbst nennt das Ganze einen frühen Test: „It is early, and we are testing and listening to feedback as we go.“
Was das für eure Marke heißt
Kurzfristig: nichts überstürzen. In Deutschland könnt ihr Features noch nicht nutzen, und niemand weiß, wie gut sie ausgespielt werden. Mittelfristig lohnt es sich aber, jetzt schon anders zu drehen:
- Lange Inhalte im Querformat mitdenken. Interviews, Workshops, Vorträge, Podcasts: Wer quer in hoher Auflösung filmt, kann daraus später ein Feature und mehrere Hochkant-Reels schneiden.
- Reels bleiben der Einstieg. Das neue Format braucht kurze Clips als Teaser. Wer heute keine guten Reels macht, wird auch mit Features nichts reißen.
- Rohmaterial aufheben. Der Drehtag, aus dem bisher zehn Reels entstanden sind, kann bald auch die lange Fassung liefern.
- YouTube nicht abschreiben. Für Suche, Monetarisierung und lange Laufzeit eurer Videos bleibt YouTube vorerst die stärkere Plattform.
Wird Instagram also zu YouTube? Noch nicht. Aber zum ersten Mal versucht Instagram ernsthaft, die Zuschauer dort zu halten, wo die Clips laufen. Wir behalten das im Blick und melden uns, sobald Features in Deutschland startet.
Quellen
Jede Zahl in diesem Beitrag ist hier nachprüfbar, inklusive Stichprobe und Erhebungsjahr. Zahlen, für die wir keine einsehbare Primärquelle gefunden haben, stehen nicht im Text – auch nicht die bekannten.
- [1]TechCrunch: Watch out, YouTube — Instagram goes from short-form to 90-minute videos (2026). Bericht über die Ankündigung von Adam Mosseri und Tessa Lyons vom 26. Oktober 2026: Länge, Querformat, Testmärkte, Verknüpfung mit Reels.
- [2]9to5Google: Instagram tests ‘Features’ long-form videos, but missing YouTube’s ad share for now (2026). Bericht über die Ankündigung mit Fokus auf die fehlende Beteiligung der Creator an Werbeeinnahmen.
- [3]Engadget: Instagram wants you to watch 90-minute videos on your TV (2026). Bericht über die Rolle der Instagram-App für Fernseher bei den neuen langen Videos.
- [4]Fast Company: Why Instagram is about to look a lot more like YouTube (2026). Einordnung der Ankündigung und der strategischen Gründe hinter dem Format.
- [5]TheWrap: Instagram Features vs YouTube Explained (2026). Analyse der Chancen und Hürden im Wettbewerb mit YouTube, mit Zitaten aus dem Gespräch zwischen Mosseri und Colin & Samir.
- [6]Malay Mail: Instagram drops IGTV to streamline video (2021). Bericht über das Ende von IGTV und die Zusammenlegung mit den Feed-Videos.
- [7]Adam Mosseri auf Instagram: @mosseri (2026). Instagram-Profil des Instagram-Chefs, auf dem er Updates wie dieses selbst per Video erklärt.
