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Influencer-ROI: Warum Views das schlechteste Metric sind

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Views sind Vanity. Wer Influencer-Kampagnen bewerten will, muss fünf andere Zahlen verstehen – und vor allem wissen, welche davon vor der Kampagne schon messbar sein müssen.

Fast jede zweite Influencer-Auswertung, die wir in Händen halten, besteht aus Views und Reach. Schön groß, schön bunt. Sagt aber nichts darüber, ob die Kampagne funktioniert hat. Hier sind die fünf Metriken, die wirklich zählen – und wie ihr sie messbar macht.

1. Engagement-Rate in Relation zum Profil-Durchschnitt

Absolute Engagement-Zahlen sagen nichts. Ein Influencer mit einer Million Followern und 10.000 Likes hat eine mittelmäßige Engagement-Rate von 1%. Ein Mikro-Influencer mit 15.000 Followern und 1.200 Likes hat 8% – und die Kampagne hat vermutlich dreimal mehr bewirkt.

Wichtig: Vergleicht die Engagement-Rate eurer Kampagne mit dem Profildurchschnitt des Creators. Liegt sie darüber, hat der Content funktioniert. Liegt sie darunter, ist Skepsis angebracht.

2. Sentiment in den Kommentaren

Hundert Kommentare können positiv sein, neutral, oder eine kleine Katastrophe. Lest sie. Wirklich jeden einzelnen. Wenn zu viele mit 'Werbung', 'schade um das Profil' oder 'unauthentisch' auftauchen, habt ihr ein Problem, egal wie gut die Zahlen aussehen.

Tools wie Brand24 oder Talkwalker können das automatisieren, aber gerade bei kleineren Kampagnen reicht manuelles Lesen. Das ist auch das beste Lernen für den nächsten Brief.

3. Click-Through-Rate mit UTM-Tracking

Wenn ihr einen Link in der Bio platzieren lasst, arbeitet ausnahmslos mit UTM-Parametern. Nur so könnt ihr hinterher sagen, wie viele Klicks aus der Kampagne kamen, welche Creator besser performten und was nach dem Klick passiert ist.

Fehlt das UTM, ist jeder Bericht hinterher Kaffeesatz.

4. Conversion über Rabattcodes

Der pragmatischste und unterschätzteste Weg, Influencer-ROI zu messen. Jeder Creator bekommt einen eindeutigen Code. Jede Bestellung mit diesem Code ist ein sauberer Beleg für die Wirkung.

Was oft übersehen wird: Rabattcodes messen direkte Conversions, aber nicht den Halo-Effekt. Jemand sieht die Kampagne, klickt nicht sofort, kauft aber drei Wochen später ohne Code. Das taucht nicht in eurem Report auf – obwohl die Kampagne geholfen hat.

5. Brand-Lift durch Vorher-Nachher-Messung

Die schwierigste, aber aussagekräftigste Metrik. Bevor die Kampagne startet, eine kurze Umfrage schalten: Kennt ihr Marke X? Wie würdet ihr sie beschreiben? Wie wahrscheinlich würdet ihr dort kaufen? Nach Kampagnen-Ende dieselbe Umfrage mit einer ähnlichen Zielgruppe.

Das ist aufwändig, kostet zwischen 500 und 2000 Euro pro Welle, aber zeigt den echten Brand-Lift. Für größere Kampagnen lohnt sich das. Für kleinere reicht die Kombination aus 1–4.

Red Flags, die eine Kampagne zerstören, bevor sie startet

  • Creator verlangt keinen Brief. Ungewöhnlich gut klingt zuerst, bedeutet aber oft: der macht Standard-Content, der nie zu eurer Marke passt.
  • Engagement-Rate liegt dreimal höher als der Plattform-Durchschnitt der Follower-Klasse. Warnsignal für gekauftes Engagement.
  • Follower-Wachstum zeigt sprunghafte Anstiege. Kauft euch jemand auf der Gegenseite ein.
  • Audience-Location stimmt nicht: Creator aus Berlin mit 60% Followern aus Indien – häufig, aber für eure deutsche Zielgruppe nutzlos.

Fazit

Views sind die einfachste Metric – deshalb werden sie am häufigsten genommen. Aber sie sagen nichts über Wirkung. Wer Influencer-Marketing als ernsthaften Kanal betreibt, misst Engagement-Rate im Vergleich, Sentiment, CTR mit UTM, Rabattcode-Conversions und idealerweise Brand-Lift. Alles andere ist Storytelling an die eigene Chefetage.

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