Vergiss Posting-Zeiten und die magische Follower-Grenze. Vier Signale entscheiden, was ausgespielt wird – und die meisten Agenturen optimieren noch auf Regeln von 2021.
Fast jede Woche bekommen wir Anrufe von Marken, die nicht verstehen, warum ihre Reichweite einbricht, obwohl sie 'alles richtig machen'. Täglich posten, zur besten Uhrzeit, mit den passenden Hashtags. Das Problem: Der Algorithmus denkt seit 2023 ganz anders. Wer noch auf Checklisten von vor drei Jahren arbeitet, verbrennt Ressourcen.
Wir fassen hier zusammen, was unsere Kunden-Accounts in den letzten Monaten gelernt haben – und was Meta-Engineers in Interviews bestätigen.
Die vier Signale, die wirklich zählen
Der Algorithmus bewertet jeden neuen Post in einer kurzen Testphase von 30–90 Minuten. Was in dieser Zeit passiert, bestimmt, ob der Post auf 5% der Follower oder auf Explore-Seiten ausgespielt wird.
- Engagement-Geschwindigkeit: Wie schnell kommen Likes, Kommentare und Shares? Ein Post, der in den ersten 20 Minuten viele Interaktionen sammelt, wird massiv ausgespielt.
- Verweildauer: Wie lange bleiben Leute auf deinem Post hängen? Reels unter 5 Sekunden Watchtime haben praktisch keine Chance.
- Speicherungen: Der stärkste Signal aktuell. Ein Save wiegt algorithmisch deutlich mehr als ein Like.
- Shares in DMs: Posts, die privat weitergeleitet werden, steigen rapide in der Empfehlungs-Priorität.
Was der Algorithmus nicht mehr belohnt
Drei Dinge, die früher wichtig waren und heute keinen Unterschied mehr machen: reine Like-Zahlen, die absolute Follower-Zahl eines Accounts und der Posting-Zeitpunkt innerhalb des Tages. Die beste Uhrzeit ist die, zu der dein Kernpublikum online ist – aber der Algorithmus spielt einen guten Post auch noch Stunden später aus, wenn die Signale passen. Wer stundenlang auf den perfekten Moment wartet, verschenkt Konsistenz.
Reels, Feed und Stories werden unterschiedlich bewertet
Reels leben von Watchtime und Shares. Der Feed lebt von Kommentaren und Speicherungen. Stories leben von Reaktionen und Swipes nach oben. Wenn ihr Reels postet und nur auf Likes optimiert, misst ihr die falsche Metrik. Bei Stories ist das klassische Instagram-Insights-Dashboard sogar irreführend – die Zahl der Impressions sagt nichts darüber, ob eure Community wirklich engagiert ist.
Die ersten 30 Minuten entscheiden
Praxis-Tipp, der sich zigfach bewährt hat: Bereite eure Community auf neue Posts vor. In Stories ankündigen, in Broadcast-Channels pingen, in DMs anstoßen. Wenn ein Post direkt nach Veröffentlichung 50+ Interaktionen hat, interpretiert der Algorithmus das als starkes Signal und erweitert die Reichweite.
Gleichzeitig: Alles, was die ersten Minuten aussehen lässt wie gekaufte Likes (identische Kommentare, Bots, unnatürliche Muster), führt zu Drosselung. Authentisches Engagement ist der einzige Weg.
Was 2025/2026 neu dazugekommen ist
Meta hat über die letzten Monate zwei größere Änderungen ausgerollt, die in vielen Reports noch nicht angekommen sind: Erstens werden Accounts, die regelmäßig mit DMs beantworten, algorithmisch höher eingestuft – Community-Management ist damit nicht nur Service, sondern Reichweite. Zweitens sind vertikale Videos (9:16) im Reel-Format inzwischen so dominant, dass quadratische Videos praktisch unsichtbar sind, selbst wenn sie technisch funktionieren.
Was das für euch heißt
Konsistenz schlägt Perfektion. Drei durchdachte Reels pro Woche sind besser als zehn mittelmäßige. Misst nicht die Likes, sondern Saves und Shares. Und: Antwortet auf jeden DM in den ersten paar Stunden, auch wenn es nur ein Danke ist.
Der Algorithmus belohnt keine Inhalte. Er belohnt Verhalten rund um Inhalte.